„Ein Roman - ein Krimi - in dessen Mittelpunkt die Lindenbrauerei steht? Geht das?
Wer Unna kennt, dem prägt sich der (fast) alles überragende Schornstein ein. Die in der Dunkelheit bläulich glühende Zahlenkolonne an seinem Äußeren macht ihn nun noch markanter, noch auffälliger. Es dauerte einige Zeit, bis ich deren eigentlich recht simple Bedeutung erkannte. Mathematik gehörte schon immer zu meinen Schwächen.
Früher –in den Siebzigern- begleitete uns stets ein würziger Geruch (manche nannten es Gestank) auf dem Schulweg. Wenig später klauten wir per Räuberleiter eine Kiste Bier. Die Arbeiter mussten echte Spaßvögel gewesen sein. Sie erteilten uns eine nachhaltige Lehre: Die oberste Reihe der Kästen jenseits der Mauer enthielt ausschließlich Flaschen mit trübem -schlechtgewordenen- Bier. Was wir aber erst bemerkten, als wir in der Abenddämmerung die Flaschen ansetzten und alle gleichzeitig einen sehr tiefen Schluck nahmen.
Danach stahlen wir nie wieder. Ehrlich!
Dafür darf ich heute morden. Meine Protagonisten je nach Lust und Laune (und dem Geschmack des Lesers) meucheln. Vielleicht hätte ich ohne die gutmütige Zurechtweisung der Unnaer Brauer nicht zu einer solch tugendhaften Beschäftigung gefunden. Vielen Dank noch mal an dieser Stelle für die Lektion.
Heute befindet sich unter den altehrwürdigen Dächern der ehemaligen Brauerei das Kulturzentrum. Neben Bier gibt es dort Konzerte, Partys, Theater, Literatur oder Comedy. Alles Dinge, die von jeher mit Bier (und ähnlichem) eine untrennbare Symbiose bilden.
Das Kulturzentrum ist Teil –gelegentlich sogar Mittelpunkt- der Kreisstadt und bisweilen Spekulationen, Kritik von verschiedensten Gruppen ausgesetzt.
Man könnte ein – natürlich fiktives! - Süppchen aus den üblichen Zutaten kochen: Geld, Macht, Politik, Korruption und einer Prise Sex.
Doch die Lindenbrauerei ist ein Eisberg: Wir sehen nur die Spitze! Der gigantische Rest bleibt uns verborgen.
Es existiert ein unterirdisches Labyrinth, ein geradezu undurchschaubares System von Gängen und Rohren, fast vergessenen Lagerräumen und kleinen Kammern mit kuriosem und bizarrem Inhalt. Dazu geschaffen, sich zu verirren. Und wenn plötzlich das Licht erlischt, hören Sie dort unten zuerst nur das hektische Pochen Ihres eigenen Herzens.
Und möglicherweise noch etwas anderes.
Etwas, dass Ihnen damals –in den Fieberträumen der Kindheit- begegnete.
Jetzt ist es hier.
Wollen Sie es kennen lernen?
Es lohnt sich. Wir werden einen Mordsspaß haben.
Aber sagen Sie hinterher nicht, dass ich Sie nicht gewarnt hätte."
Raimon Weber
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